Den Meister machen: Das müssen Gesellinnen und Gesellen beachten

Wer als Handwerkerin oder Handwerker die Meisterausbildung absolvieren möchte, braucht Zeit und Geld. Lohnt sich der Schritt?

Eine Meisterfortbildung kostet Zeit und Geld, ist in vielen Berufen aber Voraussetzung für einen eigenen Betrieb. Bild: Jens Büttner/dpa

Von Sabine Meuter, dpa

■ Welche Voraussetzungen braucht es, um Meister oder Meisterin zu werden?

Wer eine Meisterausbildung absolvieren möchte, sollte in der Regel in dem jeweiligen Handwerksberuf eine Gesellenprüfung bestanden haben. „Die Weiterbildung zum Meister baut quasi auf die Gesellenprüfung auf“, sagt Berufsbildungsexperte Volker Born vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. Gesellinnen und Gesellen, die einen Meisterabschluss im selben Beruf anstreben, können mit der Fortbildung gleich nach der Ausbildung starten. Die Fortbildung erfolgt an Meisterschulen.

■ Braucht man für die Meisterprüfung eine abgeschlossene Berufsausbildung?

„In der Regel ja, es gibt aber Ausnahmen“, sagt Born. Interessierte können sich beim Prüfungsausschuss der zuständigen Handwerkskammer eine Ausnahmegenehmigung einholen. Dem Gremium müssen sie dann aber nachweisen, dass sie in dem Bereich, in dem sie den Meistertitel anstreben, über fundierte Berufserfahrungen verfügen. Man sollte mindestens drei bis vier Jahre in dem Beruf gearbeitet haben.

■ Es gibt Industrie-, Fach- oder Handwerksmeister. Was ist für wen?

Kurz erklärt: Die Fortbildung zur Handwerksmeisterin oder zum Handwerksmeister gliedert sich in vier Teile: Fachpraxis, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Recht sowie Berufs- und Arbeitspädagogik – um später Lehrlinge ausbilden zu können. „Angehende Fachmeister und Industriemeister durchlaufen dagegen nicht diese vier Bereiche, sondern sind Spezialisten“, erklärt Born. Ihre Meisterausbildung konzentriert sich auf den fachlichen Bereich.

■ Wie viel Zeit nimmt die Weiterbildung in Anspruch?

Das ist unterschiedlich und hängt nicht zuletzt vom jeweiligen Gewerk ab. So lassen sich an einer Meisterschule Vollzeit-, aber auch Teilzeit-Kurse belegen. „Im Baubereich etwa ist es möglich, Kurse in der oft auftragsärmeren Winterzeit zu absolvieren“, so Born. Wer sich für Teilzeitkurse entscheidet, kann nebenbei arbeiten – die Belastung ist dann natürlich hoch. Die Vollzeitkurse finden meist blockweise über mehrere Wochen statt. Bei einigen Meisterschulen ist es möglich, flexibel vorzugehen: Wer die Fortbildung in Teilzeit macht, kann – falls es das Zeitbudget zulässt – zwischendurch eine Woche in Vollzeit Kurse besuchen. Bis zum Meistertitel dauert es dann zwischen einem und mehreren Jahren, wie Born sagt. Das hängt davon ab, ob man die Meisterausbildung in Vollzeit oder berufsbegleitend absolviert.

■ Wie hoch sind die Kosten?

„Zwischen 1000 und 15000 Euro je nach Gewerk“, sagt Born. Vergleichsweise teuer ist nach seinen Angaben aufgrund hoher Materialkosten etwa die Meisterausbildung für Zahntechnikerinnen und Zahntechniker. Gleiches gilt für den Elektro-Bereich. Günstiger sind die Meisterausbildungen beispielsweise bei Friseurinnen und Friseuren.

■ Gibt es finanzielle Unterstützung?

Ja. Es gibt etwa das Aufstiegs-Bafög (früher: Meister-Bafög). Nach Angaben der Bundesregierung können angehende Meisterinnen und Meister die Förderung einkommens- und vermögensunabhängig beantragen. Um Lehrgangs- und Prüfungsgebühren zu finanzieren, können Interessierte bis zu 15000 Euro bekommen. 50 Prozent der bewilligten Summe gibt es als Zuschuss vom Staat, für den Rest gibt es ein Angebot der KfW für ein zinsgünstiges Bankdarlehen. Wer die Ausbildung in Vollzeit absolviert, kann zusätzlich Geld für den Lebensunterhalt beantragen. Das hängt vom eigenen Einkommen und Vermögen und gegebenenfalls vom Einkommen des Ehe- oder Lebenspartners ab. Hier besteht die Förderung ebenfalls aus einem Zuschuss sowie einem KfW- Angebot über ein zinsgünstiges Darlehen. Daneben kommt zum Beispiel das Weiterbildungsstipendium des Bundesbildungsministeriums für begabte Gesellinnen und Gesellen infrage. Bildungsexperte Born empfiehlt, frühzeitig zur zuständigen Handwerkskammer zu gehen und sich beraten lassen – gerade, was Fördermöglichkeiten angeht. Bei der Frage lohnt es sich zudem, mit dem Arbeitgeber zu sprechen. „Mitunter kommt es vor, dass er die Meisterausbildung finanziell unterstützt“, so Born.

„Die Aussichten, einen eigenen Betrieb führen zu können, sind derzeit sehr gut, zumal viele Inhaber etablierter Betriebe aus Altersgründen auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger sind“

Berufsbildungsexperte Volker Born vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

■ Was bringt die Meisterausbildung?

In vielen Handwerksberufen ist es nur mit einem Meistertitel möglich, sich selbstständig zu machen. „Die Aussichten, einen eigenen Betrieb führen zu können, sind derzeit sehr gut, zumal viele Inhaber etablierter Betriebe aus Altersgründen auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger sind“, sagt Born. Aber auch für alle, die sich nicht selbstständig machen wollen, lohnt sich eine Meisterausbildung. Angestellte können betriebsintern aufsteigen und ein höheres Einkommen erzielen. Auch ist das Risiko, mit einer Meisterausbildung arbeitslos zu werden, Volker Born zufolge gering.

■ Wie bekomme ich einen Überblick über Meisterschulen?

Einen guten Überblick zu den Weiterbildungsangeboten bekommen Interessierte mit Online-Datenbanken. Der ZDH verweist beispielsweise auf die Meisterschulen-Datenbank der Verlagsanstalt Handwerk unter j www.handwerksblatt.de. Gesellen können zudem unter j www.karriereportal-handwerk.de suchen. Die Handwerkskammern empfehlen neben ihren eigenen Internetauftritten die Webseite j www.meisterschulen.de oder das Angebot Kursnet der Bundesagentur für Arbeit. Ergänzend lohnt sich eine Weiterbildungsberatung bei der Handwerkskammer vor Ort. 

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