Leben und Arbeiten in einem Kibbuz – was vorher zu organisieren ist

Auf nach Israel und dort im Rahmen eines internationalen Freiwilligendienstes in einem Kibbuz arbeiten – das ist interessant und bereichernd. Doch bevor es losgeht, sind einige Hürden zu überwinden.

Kochen und Co.: Wer Freiwilligendienst in einem Kibbuz in Israel macht, packt hier an fünf Tagen in der Woche mit an. Bild: Kibbutz Movement - Volunteers from abroad Program/dpa

Von Sabine Meuter, dpa

Tel Aviv/Berlin. Ob nach dem Abitur, zwischen Studium und Job oder im Rahmen eines Sabbaticals: Viele junge Leute nutzen Übergangsphasen in ihrem Leben dazu, einen Freiwilligendienst zu absolvieren. Manche zieht es ins Ausland. Eine von vielen möglichen Optionen: in einem Kibbuz mitarbeiten. Leben in der Gemeinschaft mit produktiver Arbeit verbinden – das ist die Idee der Kibbuz-Bewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Das Wort „Kibbuz“ stammt aus dem Hebräischen. Es heißt so viel wie „Versammlung“. Hier sind alle Menschen gleich. Die Stärkeren helfen den Schwächeren. Das Leben in der Gemeinschaft prägt den Alltag. Alle begegnen sich auf Augenhöhe. Ursprünglich war ein Kibbuz eine sozialistisch geprägte ländliche Siedlung: Grund und Boden waren Eigentum des Staates Israel, über die die Siedler in Erbpacht walteten. Derzeit gibt es rund 270 Kibbutzim, wie es seitens des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes (ijgd) in Berlin heißt.

 ■ Arbeiten in einem Kibbuz – für wen ist das was und was bringt es einem?

Eine besondere Form von Gemeinschaft erleben, sich berufliche Fähigkeiten aneignen sowie Gleichgesinnte aus der ganzen Welt kennenlernen – all das ist in einem Kibbuz möglich. Insofern ist ein Kibbuz- Aufenthalt etwas für alle, die aufgeschlossen sind und einen Blick über den eigenen Tellerrand werfen möchten. Ein Kibbuz-Aufenthalt erweitert den Horizont, entwickelt die eigene Persönlichkeit weiter, bringt oft Impulse für die Zeit danach und im besten Fall Freundschaften, die ein Leben lang halten.

■ Gibt es Altersvorgaben und wie lange dauert ein Aufenthalt?

Die Freiwilligen sind in der Regel zwischen 18 und 35 Jahre alt. Ein Kibbuz-Aufenthalt umfasst einen Zeitraum von drei Monaten bis zu einem Jahr.

■ Wie komme ich an einen Platz in einem Kibbuz?

Die Bewerbung erfolgt direkt bei der Kibbuz-Gemeinschaft. Das ist beispielsweise über das Kibbutz Movement Volunteers Program Center (KPC) möglich. Wer sich hier bewirbt, muss unter anderem ein Motivationsschreiben verfassen, das sich die Verantwortlichen genau angucken. „Ausschlusskriterien sind, wenn aus dem Motivationsschreiben hervorgeht, dass jemand sehr selbst-zentriert ist, offenbar keine soziale Motivation hat oder psychisch krank ist“, heißt es seitens des ijgd.

 ■ Welche weiteren Voraussetzungen muss man erfüllen?

Freiwillige sollten über eine gute körperliche und mentale Verfassung verfügen und in der Lage sein, in einem subtropischen Klima mit Tagestemperaturen von um die 40 Grad zu leben und zu arbeiten. Ein Formular, das detailliert Auskunft über den Gesundheitszustand des Bewerbers oder der Bewerberin gibt, muss der Hausarzt ausfüllen und ist der Bewerbung beizufügen. Ein ins Englische übersetztes polizeiliches Führungszeugnis wird gefordert. Ein Muss sind außerdem gute Englisch-Kenntnisse.

■ Brauche ich ein Visum für Israel?

Ja. Ein ausgefüllter Antrag für ein Freiwilligenvisum ist der Bewerbung beizufügen. „Da die Beantragung des Visums zwei bis drei Wochen dauern kann, wird empfohlen, den Antrag etwa sechs Wochen vor der Ankunft zu stellen“, sagt Keren Pardo vom KPC in Tel Aviv. Was sonst noch der Bewerbung beizufügen ist, findet sich hier.

■ Wie geht es weiter?

Stößt die Bewerbung in einem Kibbuz grundsätzlich auf Interesse, gibt es ein Interview – in der Regel via Skype – zwischen Kibbuz-Vertretern einerseits und dem Interessenten andererseits. Bei diesem Interview sollen Bewerberinnen und Bewerber noch einmal genau ihre Beweggründe darlegen.

■ Wenn man eine Zusage bekommt – wie sieht der Alltag im Kibbuz aus?

Das ist unterschiedlich. Freiwillige helfen je nach Kibbuz zum Beispiel bei der Ernte, sind in einem Kindergarten oder einem Altenheim tätig. Dabei sind sie fest in die lokale Gemeinschaft integriert. Es gibt einen sehr intensiven Umgang miteinander. Dazu zählt etwa gemeinsames Essen im Speisesaal und gemeinsames Feiern von jüdischen Feiertagen und vielen anderen kulturellen Events. Freiwillige nutzen sämtliche Einrichtungen wie Kibbuzmitglieder auch: Wäscherei, Sportplätze und vieles mehr.

 ■ Gibt es eine Bezahlung – oder freie Kost und Logis?

Freiwillige arbeiten an fünf Tagen in der Woche. Dafür ist die Unterkunft kostenlos. Es gibt pro Tag drei Mahlzeiten gratis, außerdem ein Taschengeld. Alle Einrichtungen im Kibbuz können Freiwillige kostenlos nutzen. Gleiches gilt für die kulturellen Aktivitäten im Kibbuz.

■ Was sollte ich versicherungstechnisch vor der Abreise klären?

Freiwillige sind über die KPC, sofern sie sich darüber beworben haben, versichert. Die ijgd kommt für eine private Auslandskrankenversicherung plus für eine Unfall- und Haftpflichtversicherung auf.

■ Muss ich die An- und Abreise selbst zahlen – und gibt es Fördermöglichkeiten?

Die Kibbuz-Gemeinschaft beteiligt sich bei Bedarf an den Kosten mit 250 Euro. Das Geld hierfür bringt sie über Spenden auf.

■ Bleibt genügend Zeit, um Israel zu entdecken?

„An zwei Tagen in der Woche müssen Freiwillige nicht arbeiten“, heißt es seitens der ijgd. Und einen Urlaubsanspruch haben sie auch. Insofern ist genügend Zeit, um Touren durch Israel zu machen.

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