Werdende Eltern: So trifft man gute Absprachen im Job

Konkret, verbindlich und offen: Wer mit klaren Vorstellungen zur geplanten Elternzeit in ein Gespräch mit der Führungskraft geht, hat schon viel gewonnen. Wo lauern die größten Stolperfallen?

Im Gespräch mit der Führungskraft ist es hilfreich, wenn werdende Eltern genau Pläne für ihre Elternzeit haben. Symbolbild: Andrea Warnecke/dpa

Von Katja Wallrafen, dpa

Bremen/Köln. Steht Nachwuchs an, müssen werdende Eltern plötzlich Hunderte Dinge gleichzeitig klären. Dazu gehört auch: Absprachen mit dem Arbeitgeber treffen. Damit bei der geplanten Elternzeit alles reibungslos klappt, sollte man frühzeitig mit Vorgesetzten die bevorstehenden Veränderungen besprechen. Kaarina Hauer weiß, worauf es dabei ankommt: auf Offenheit, Verbindlichkeit und auf konkrete Planung – etwa, was die Dauer der Elternzeit angeht. Ihr Tipp: Wer in Teilzeit zurückkehren will, sollte gleich für zwei oder drei Jahre Elternzeit einreichen. Das schaffe mehr Optionen für die Rückkehr, was Arbeitszeitmodelle angeht, so die Leiterin der Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Demütige Bittsteller?

Sie kennt noch die Zeiten, in denen werdende Eltern demütig als Bittsteller wahrgenommen wurden. Das hat sich gewandelt: Kaarina Hauers Erfahrungen zufolge treten bei der Einreichung der Elternzeit weniger Konflikte als früher auf. Dennoch gehen nicht alle werdenden Eltern sorgenfrei in ein Gespräch mit der Führungskraft. So gilt es zum Beispiel, den passenden Zeitpunkt zu finden. Wie das Bundesfamilienministerium in einer Broschüre zum Thema rät, sollten Beschäftigte den Zeitpunkt abpassen, an dem sie bereit sind, die bevorstehende Mutter- oder Vaterschaft zu kommunizieren – und der eine sorgsame Planung und Umsetzung notwendiger Prozesse vor der Elternzeit erlaubt. Hat die Führungskraft wegen unvorhergesehener Ereignisse dann gerade nicht den Kopf frei, sei es aber ratsam, das Gespräch zu verschieben. Generell fahren Beschäftigte gut, wenn sie versuchen, sich in die Perspektive des Arbeitgebers hineinzuversetzen und mögliche Bedenken vorab zu antizipieren, heißt es in dem Ratgeber. So sollten werdende Eltern etwa signalisieren, dass sie sich auf den Wiedereinstieg freuen und konkrete Vorstellungen davon haben. Das verdeutlicht dem Arbeitgeber, dass er sich keine Sorgen machen muss, ob die Fachkraft wiederkommt. Wer Aufgaben und Verantwortlichkeiten vollständig auflistet, hilft dem Team bei der Frage weiter, wer einen während der Abwesenheit am besten ersetzen kann. Auch das Thema Wiedereinstieg muss abgeklärt werden. „Kritisch kann es schon mal werden, wenn es bei der Rückkehr in den Job um Teilzeit-Arbeitszeiten geht“, sagt Kaarina Hauer. Wenn zum Beispiel Fachkräfte in einer Arztpraxis alle nur in der Zeit von 8 bis 14 Uhr arbeiten möchten, sei der Praxisbetrieb schlecht zu organisieren.

Selbst Alternativen prüfen

„Wir raten in solchen Situationen, nicht starr an eigenen Vorstellungen festzuhalten, sondern idealerweise selbst Alternativen zu prüfen und mit eigenen Vorstellungen das Gespräch mit den Vorgesetzten zu führen.“ Vielleicht lasse sich ein langer Arbeitstag pro Woche anbieten, sagt Hauer. Wenn beide Seiten jeweils Verständnis füreinander zeigen, komme man gemeinsam weiter. Um im Gespräch möglichst konkrete Vorschläge machen zu können, rät Hauer im Vorfeld mit der Partnerin oder dem Partner zu klären, wie die Kinderbetreuung untereinander aufgeteilt und die Arbeitszeiten aufeinander abgestimmt werden. Grundvoraussetzung für gute Absprachen ist es, auch die eigenen Bedürfnisse zu kennen. Wer sich viele Sorgen macht, ob sich Kind und Karriere tatsächlich vereinbaren lassen, kann an der eigenen Erwartungshaltung arbeiten, schreibt die Karriereberaterin Ragnhild Struss in ihrem Blog. Die Frage sei nicht, ob man sich auch künftig noch entfalten könne, sondern wie. Auch in neuer Rolle und Funktion seien Eltern eine wertvolle Ressource im Arbeitsleben, gerade durch neu gewonnene Erkenntnisse und Fähigkeiten, versichert die Beraterin. Wichtig sei, gemeinsam mit dem Arbeitgeber genügend Flexibilität einzuplanen, um Rückkehrpläne auch später noch anpassen zu können. Vielleicht verändern sich die eigenen Vorstellungen von Karriere oder dem Berufsleben noch einmal, sobald ein Kind den Alltag prägt. Egal, für welche Pläne man sich letztendlich entscheidet: Nach Möglichkeit sollte man versuchen, während der Elternzeit den Kontakt zum Unternehmen zu behalten, rät Kaarina Hauer: „Sommerfeste besuchen, an der Weihnachtsfeier teilnehmen, sich vielleicht mal mittags mit Kolleginnen und treffen und grundsätzlich Interesse signalisieren.“

Mehr Mütter in Elternzeit

Kaarina Hauer findet es bedauerlich, dass Elternzeit immer noch oft als Thema für die werdende Mutter begriffen wird. Die Zahl der Männer, die Elterngeld bezogen, ist 2021 zwar um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Der Väteranteil beim Elterngeld lag 2021 damit aber immer noch nur bei insgesamt 25,3 Prozent (2020: 24,8 Prozent). Väter übernehmen in der Mehrzahl auch nur den kleineren Teil: Während Frauen im Jahr 2021 im Schnitt 14,6 Monate Elterngeld bezogen, waren es bei den Männern 3,7 Monate. Diese Verteilung ist in den vergangenen Jahren laut Statistischem Bundesamt praktisch konstant geblieben. So beobachtet es auch Kaarina Hauer in ihren Beratungen. Sie vermutet, dass oft immer noch traditionelle Rollenmuster vorherrschen. Zudem haben meist nach wie vor Männer die besseren Gehälter, so dass auch monetäre Aspekte ursächlich für diese Entscheidungen seien können. 

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