Zuckerbrot und Peitsche? Was im Job auf Dauer wirklich motiviert

Eine Gehaltserhöhung ist kein Garant für mehr Zufriedenheit im Job. Innerer Antrieb gilt langfristig als erfolgversprechender. Wie finden Berufstätige heraus, was sie wirklich motiviert? 

Wer weiß, wie sich der eigene innere Antrieb besonders pushen lässt, ist im Job oft zufriedener. Symbolbild: Christin Klose/dpa

Von Katja Sponholz, dpa

München/Hannover. Mira Mühlenhof weiß, was ihr fehlt, wenn sie im Arbeitsalltag mal etwas „unleidlich“ wird. Dann braucht sie den Auftritt vor Menschen, Bestätigung und Applaus – und schon ist sie wieder da, die Motivation. „Ich stehe nun mal gerne vor der Gruppe, sagt Mühlenhof, die als Coachin und Universitätsdozentin arbeitet. Ganz gleich, was es ist: Jeder Mensch hat etwas, was ihn von innen heraus antreibt. Die sogenannte intrinsische Motivation. Und es ist gut, diesen inneren Antrieb und die Bedürfnisse, die ihm zugrunde liegen, zu kennen. Wer im Job zufrieden ist, gilt als ausgeglichener, ist leistungsfähiger, teamorientierter und kann effizienter arbeiten.

Innere Anreize

„Mitarbeiter verbringen laut Studien häufig die Hälfte ihrer Arbeitszeit unproduktiv, oft einfach mit Fremdbeschäftigung, weil sie nicht motiviert sind“, sagt Buch-Autor Florian Becker. Führungskräfte, die in der Lage sind, die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten zu erkennen und darauf einzugehen, könnten eine Leistungssteigerung von 20 bis 40 Prozent erzielen. Äußere Anreize wie eine Gehaltserhöhung oder Prämien schaffen das auf Dauer nicht. „Es wäre wirklich sehr traurig, wenn den Unternehmen nichts Besseres einfällt, als Leute mit Geld motivieren zu wollen.“ Wer intrinsisch motiviert ist, tut Dinge wirklich aus sich heraus und nicht, weil etwas dafür herausspringt. Laut Mühlenhof könne kein Unternehmen und keine Führungskraft es sich leisten, das zu ignorieren. Was aber ist es, das mich wirklich antreibt? Und wie kann ich diese Motivation bei mir selbst oder auch anderen steigern? Mühlenhof listet in ihrem Buch „Chefsache Intrinsische Motivation“ zehn verschiedene Denk-, Gefühls- und Handlungsmuster auf, die sich im menschlichen Verhalten widerspiegeln und mithin der innere Antrieb sind. Sie reichen von Perfektion, Liebe, Erfolg und Individualität über Wissen, Sicherheit und Kampf bis zu Spaß, Macht und Harmonie. Wichtig ist es, die richtigen Berufsfelder und Stellen zu finden, in denen sich die Bedürfnisse, die mit dieser intrinsischen Motivation einhergehen, stillen lassen. Doch ganz gleich, welche Tätigkeit man ausübt: Die Zufriedenheit lässt sich steigern, indem man sich darüber bewusst wird, was einen antreibt. Selbst bei einer monotonen Fließbandarbeit. „Wenn ich als intrinsische Motivation die Perfektion habe, kann ich sie ausleben, indem ich Arbeitsprozesse noch mehr optimiere, noch effektiver gestalte und noch genauer arbeite“, so Mühlenhof. Wenn eher der Machtgedanke ausgeprägt ist, würde man versuchen, auf der Karriereleiter nach oben zu steigen, um sich als Vorarbeiter oder Teamleiter auszuleben.

Feedback einholen

Vor allem die Arbeitsgestaltung spielt nach Ansicht von Florian Becker eine wichtige Rolle bei der Motivation. „Man sollte versuchen, die Arbeiten so anzulegen, dass man schon auf dem Weg Erfolgserlebnisse hat und nicht erst am Ziel“, sagt er. Dazu zähle auch, Feedback vom Team oder Kunden einzuholen und dadurch Anerkennung und Lob, vielleicht auch konstruktive Kritik für die nächsten Arbeitsschritte zu bekommen. Es mag einleuchten, dass man als Professor bei seinen Studenten nachhaken kann, wie der Vortrag angekommen ist. Aber als Angestellte in einem Supermarkt kann ich schlecht nach jedem Einkauf fragen, ob ich gut kassiert habe – oder? Letztendlich jedoch, so Becker, gehe es immer um die Bedeutsamkeit, die ich meiner Aufgabe selbst beimesse. Ein Kassierer könne sich etwa fragen, ob es ihm persönlich das Wichtigste ist, dass alle Kunden schnell bezahlen können. Oder eher, dass er Menschen glücklich macht. „Wenn mich dann viele Kunden anlächeln oder sich am liebsten an meiner Kasse anstellen, dann ist das für mich auch ein Feedback und Erfolgserlebnis“, sagt Becker. Zur Motivation trägt laut Becker außerdem bei, wenn Mitarbeitende mehr Entscheidungsspielraum und Verantwortung bekommen und Aufgaben selbst gestalten können. Auch ein gutes Betriebsklima sowie Lob gehören dazu. Das allerdings richtig. Becker rät, beschreibend zu loben und konkret zu erklären, was es für besondere Auswirkungen habe, dass diese Arbeit auf diese Weise erfüllt worden sei.

„Mitarbeiter verbringen laut Studien häufig die Hälfte ihrer Arbeitszeit unproduktiv, oft einfach mit Fremdbeschäftigung, weil sie nicht motiviert sind.“

Florian Becker, Buch-Autor

Auch wenn es wehtut

Was aber, wenn ich den Job habe, den ich mag, wenn ich nette Kollegen und einen verständnisvollen Chef gefunden habe und es trotzdem Momente gibt, an denen ich einfach keine Lust habe, einen bestimmten Auftrag auszuführen? „Natürlich wird nicht immer alles Sinn und Freude machen“, räumt Becker ein. „Manchmal kommst du im Leben an einen Punkt, wo du einfach leisten musst, auch wenn es wehtut.“ In solchen Momenten helfe nur noch die Selbstregulation. Die könne man trainieren, indem man nicht sofort aufgebe, wenn man keine Lust mehr habe oder etwas unangenehm werde. „Es wird immer eine Phase geben, da muss man durch, um ein Ziel zu erreichen.“

Mira Christine Mühlenhof: „Chefsache Intrinsische Motivation“, 2018, Springer Gabler, 351 Seiten, 39,99 Euro, ISBN: 978-3658183066. Florian Becker: „Mitarbeiter wirksam motivieren: Mitarbeitermotivation mit der Macht der Psychologie“, 2018, Springer, 252 Seiten, 32,99 Euro, ISBN: 978-3662578377. 

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